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Das Ehrenamt: Ein Schatz, den wir unbedingt bewahren müssen

Ich bin, und das sage ich voller Dankbarkeit für das, was mich geprägt hat, ein Kind des Vereinssports. Früher aktive Basketballerin bei der Turngemeinde Hanau und bis heute Mitglied im 1. Hanauer Tennis- und Hockeyclub – ein Leben ohne Sport im Verein war und ist für mich nicht vorstellbar. Unser Vereinssystem ist weltweit einzigartig. Neulich sprach ich mit einer Frau, die nach Deutschland zugewandert ist und mir ungläubig erzählte, wie überrascht sie war, dass es in Deutschland die Möglichkeit gibt, für vergleichsweise kleines Geld – Kinder zahlen im Schnitt vier Euro Beitrag pro Monat – Mitglied in einem Verein zu werden, in dem man jede Sportart ausüben darf, auf die man Lust hat. Ja, dachte ich, das ist tatsächlich großartig. Und dann wurde mir wieder einmal klar, wie wenig uns oftmals bewusst ist, was für einen Schatz wir damit besitzen!

Dieser Schatz allerdings droht an Wert zu verlieren, womit ich bei meinem beruflichen Lebensthema bin: dem Ehrenamt. Im Mai vergangenen Jahres hat uns der Sportentwicklungsbericht mit diversen Fakten konfrontiert, von denen besonders einer mich aufgerüttelt hat. Mehr als jeder sechste der rund 86.000 Sportvereine in Deutschland sieht seine Existenz dadurch bedroht, dass es zu wenig Personal gibt, das ehrenamtlich wichtige Aufgaben übernehmen kann oder möchte. Das ist eine Tendenz, die in ihrer drastischen Ausprägung neu ist, und die uns alle betrifft. Deshalb möchte ich dazu ein paar einordnende Sätze verlieren.

Ich bin nicht nur ein Kind des Vereinssports, sondern im DOSB auch eine Wegbegleiterin der ersten Stunde. 1995 habe ich in der Vorgängerorganisation Deutscher Sportbund, der 2006 mit dem Nationalen Olympischen Komitee zum DOSB fusionierte, die erste Stelle mit Zuständigkeit für Sport und Gesundheit besetzen dürfen. Später verantwortete ich das Thema Ehrenamt. Ich weiß deshalb aus eigener Erfahrung, dass früher beileibe nicht alles besser war. Auch damals wurden Menschen, die sich freiwillig und ohne Anspruch auf Entlohnung für den Sport engagierten, manchmal händeringend gesucht. Was sich jedoch verändert hat über die vergangenen 20 Jahre: Früher war es einfacher, solche Menschen zu finden.

Das Leben hat sich stark verdichtet

Allerdings waren damals die Lebensumstände andere. In meinen Sportvereinen waren die Vereinsvorsitzenden ältere Männer, die nach der Arbeit ihrem Amt im Sport nachgingen, während die Frauen ihnen daheim den Rücken freihielten. Die Lebensrealitäten haben sich verändert, wir sprechen gemeinhin von einer Verdichtung des Lebens, sehr viele Menschen geben an, weniger Zeit zu haben als früher. Ob dem tatsächlich so ist, sei einmal dahingestellt. Es gibt Studien, die aufzeigen, dass die Zeit schlicht anders als früher genutzt wird und wir eigentlich mehr Zeit denn je haben. Nur nutzen viele diese leider nicht mehr für ein Ehrenamt. Insbesondere der Medienkonsum ist exorbitant gestiegen, was wohl jeder und jede von uns auch an sich selbst beobachten kann.

Deutlich widersprechen möchte ich der verbreitet vorgetragenen These, dass das ehrenamtliche Engagement und der Zusammenhalt der Gesellschaft im Allgemeinen nachgelassen haben. Was wir stattdessen feststellen und im Freiwilligensurvey auch nachlesen können: Knapp 30 Millionen Menschen in Deutschland haben mindestens ein Ehrenamt, gut neun Millionen davon entfallen auf den Sport. Und es besteht auch unter den Menschen, die sich bisher nicht engagieren, eine hohe Bereitschaft für ein Engagement. Aus einer repräsentativen Studie, die das Leibniz-Institut für Medienforschung sowie das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt und mindline media gemeinsam mit ARD, ZDF und Deutschlandradio im Frühjahr 2025 durchgeführt haben, geht hervor, dass der Sport den mit Abstand wichtigsten Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leistet. Auch der Sportentwicklungsbericht zeigt, dass im Selbstverständnis der Sportvereine das Gemeinschaftsgefühl, Solidarität und die demokratische Beteiligung die wichtigsten Werte darstellen.

Problematisch ist der Bereich des langfristigen Engagements

Verändert hat sich allerdings die Verteilung der geleisteten Arbeit. Wir haben im Sport grundsätzlich kein Problem, für kurzfristige Projekte wie Großveranstaltungen, die zeitlich begrenzt sind, ausreichend helfende Hände zu finden. Problematisch ist der Bereich des langfristigen Engagements. Hier verteilt sich zunehmend mehr Arbeit auf weniger Schultern, und genau dieser Fakt ist es, der den Vereinen Existenzsorgen bereitet. Aus anderen gesellschaftlichen Bereichen heißt es oft, der Sport müsse mehr anderes Engagement anbieten, sich im Ehrenamt moderner aufstellen. Aber so einfach ist das nicht: Vereinsvorsitzende können nicht alle drei Monate ausgetauscht werden. Das zentrale Ziel eines Sportvereins ist es, dass Menschen eine Sportart erlernen und Bewegungskompetenzen erwerben. Damit einher geht nicht nur das Lernen von technischen und taktischen Fertigkeiten, sondern auch eine Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Auch bauen Sportler*innen Selbstbewusstsein und Selbstdisziplin auf, lernen mit Erfolg und Niederlagen umzugehen. Trainer*innen und Übungsleiter*innen übernehmen eine zentrale Rolle in dieser Entwicklung – und dies tun sie in überwiegender Zahl ehrenamtlich. Solche Lernprozesse erfolgreich zu begleiten, braucht ein kontinuierliches Engagement. Wir brauchen also diejenigen, die sich langfristig dazu bereiterklären, ihre Freizeit zu opfern.

Dabei negieren wir im DOSB natürlich nicht, dass sich auch der organisierte Sport bewegen muss. Ein Beispiel, das einen Weg dahin aufzeigt, hat sich jüngst in Hamburg aufgetan. Moritz Fürste, zweimaliger Olympiasieger im Feldhockey und Miterfinder der neuen Fitnesssportart Hyrox, hat bei seinem Heimatverein Uhlenhorster HC das Präsidentenamt übernommen. Das war aber nur möglich, weil er die Aufgaben, die bislang der Vereinsvorsitzende Horst Müller-Wieland allein übernommen hatte, auf acht Mitstreiter*innen verteilt hat. So wird aus einem zeitintensiven Amt eine Art Jobsharing, in dem eine Gruppe von Menschen die anfallenden Aufgaben ehrenamtlich stemmen kann. Ich finde diese Art der Problemlösung vorbildlich, bin mir aber durchaus bewusst, dass es dafür einer Galionsfigur wie Moritz, der übrigens auch Persönliches Mitglied im DOSB ist, und einer motivierten Gruppe bedarf, die gemeinsam Lust am Gestalten hat.

„Ich liebe es, anzupacken und etwas zu verändern“

Einmal, nur ein einziges Mal hat sie sich gefragt, ob sie den richtigen Weg eingeschlagen hat. 2017 war das, als Mareike Miller im Deutschen Rollstuhl-Sportverband als Nachfolgerin für die damalige Athletensprecherin Marina Mohnen kandidierte, und jemand zu ihr sagte, dass sie doch sowieso die Einzige sei, die sich so ein Amt antun würde. „Da habe ich schon kurz überlegt, warum so eine Aussage kommt“, erinnert sich die 35-Jährige, die sich damals nicht beirren ließ und ihr erstes sportpolitisches Ehrenamt antrat. Zum Glück, wie wir heute wissen, denn seit dem 6. Dezember 2025, als sie von der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes bestätigt wurde, zählt Mareike Miller als gewählte Vertreterin der Athlet*innen zum DOSB-Präsidium, sie hat Marathonläuferin Fabienne Königstein ersetzt und ist die erste aktive paralympische Sportlerin, die den Schritt ins Präsidium gegangen ist.

Dass sie überhaupt gehen kann, überrascht bis heute viele Menschen. „Wer mich nicht kennt, erwartet natürlich nicht, dass eine Fußgängerin kommt, wenn eine Rollstuhlbasketballerin angekündigt ist. Da gibt es immer wieder viel Erklärungsbedarf“, sagt die Paralympicssiegerin von 2012, die 2016 in Rio de Janeiro zudem Silber gewann und auch 2021 in Tokio und 2024 in Paris zum Kader der deutschen Frauen zählte. Stören tut sie das nicht, obwohl sie sich schon wünschen würde, dass zumindest unter Sportfans geläufiger wäre, dass ein Sportrollstuhl genauso ein Sportgerät ist wie ein Tennisschläger oder ein Ruder. „Ein Mitspieler von mir hat mal gesagt, dass der Rollstuhl für uns so ist wie das Paar Turnschuhe für Hallensportler, wir schlüpfen dort genauso hinein und nutzen ihn nur für Training oder Wettkampf.“

Zur Erklärung: Im Rollstuhlbasketball werden die Teammitglieder gemäß ihrer Einschränkungen bepunktet, die Punkte reichen von 1 bis 4,5, die Gesamtpunktzahl im Team darf 14 nicht überschreiten. Mareike, die ursprünglich „Fußgänger-Basketball“ spielte und wegen ihrer bis zum 18. Geburtstag erlittenen vier Kreuzbandrisse als Sportinvalidin gilt, ist mit 4,5 Punkten klassifiziert. „Ich wurde also in den Rollstuhlsport inkludiert und habe seitdem aus eigener Erfahrung heraus ein Faible für das Thema Inklusion“, sagt sie. Aber auch Geschlechtergerechtigkeit und das Schaffen eines professionellen Umfelds für Athlet*innen sind Felder, die sie seit acht Jahren mit viel Energie beackert.

Seit 2017 engagiert sie sich in sportpolitischen Ämtern

Die Lust daran, sich für die Allgemeinheit zu engagieren, sei bei ihr früh entstanden. „Ich habe mich schon immer dafür interessiert, warum Dinge so funktionieren, wie sie funktionieren. Ich bin ein neugieriger Mensch, der gern hinter die Kulissen schaut“, sagt sie. Der Weg durch die Gremien, den sie seit 2017 gegangen ist, erscheint ihr deshalb in der Rückschau auch nur logisch. Kurz nach der Wahl zur Athletensprecherin wurde sie in die Athletenkommission des Deutschen Behindertensport-Verbands (DBS) berufen, 2020 zur Gesamt-Aktivensprecherin gewählt. Ein Jahr später kandidierte sie erfolgreich für das Präsidium von Athleten Deutschland, 2022 wurde sie in ihrer DBS-Rolle in die Athlet*innenkommission des DOSB kooptiert. Und nun, im Januar 2026, hat sie gerade eine Woche Praktikum hinter sich gebracht, um am DOSB-Hauptsitz in Frankfurt am Main die Strukturen und Abläufe im Dachverband des organisierten Sports besser verstehen zu lernen.

Sie nahm in der vergangenen Woche an der Vorstandssitzung teil, in der die 188 Athlet*innen für die Olympischen Winterspiele in Norditalien (6. bis 22. Februar) nominiert wurden. Sie erfuhr im Games Management, warum Großereignisse mit mehreren Jahren Vorlauf geplant werden müssen. Sie konnte den Vorstandsvorsitzenden Otto Fricke begleiten und Gespräche mit den Vorständen Michaela Röhrbein (Sportentwicklung), Thomas Arnold (Finanzen) und Leon Ries (Jugend) führen. Die Ressortleiterinnen Eva Werthmann (Verbandskommunikation) und Peggy Bellmann (Diversity) erläuterten ihre Tätigkeitsfelder, Laura Hohmann-Kießler und Ruben Göbel erklärten ihr das wissenschaftliche Verbundsystem. Alexander Best, Leiter des Exekutivbüros, stand ebenso Rede und Antwort wie Folker Hellmund, Direktor des Brüsseler EOC-EU-Büros. „Ich habe jetzt einen guten Überblick bekommen und mehr Verständnis für die Komplexität des DOSB gewonnen. Das waren wertvolle Einblicke für mich“, sagt sie.

Die Turngemeinde Herford von 1860 gewinnt den „Großen Stern des Sports“ in Gold

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender überreichten die bedeutendste Auszeichnung für gesellschaftliches Engagement von Sportvereinen in Deutschland gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Otto Fricke, und der Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Marija Kolak. Darüber hinaus erhielt der Verein aus Nordrhein-Westfalen im Rahmen der feierlichen Preisverleihung am Montag (26. Januar) in der DZ BANK in Berlin für diesen herausragenden Erfolg ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro.

Das Ehrenamt neu denken und nachhaltig stärken

Die Turngemeinde Herford von 1860 überzeugte mit ihrer Initiative „Vereinsheld 2025 – Unsere Zukunft ist Ehrenamt“, mit der sie eine umfassende Kampagne gestartet hatte, um das Ehrenamt neu zu denken und nachhaltig zu stärken. „Die Initiative basiert auf sechs Säulen – von monatlichen Netzwerktreffen und einer eigenen Heldenakademie über Qualifizierungsformate bis hin zum innovativen NextGen-Stipendium, das junge Engagierte ab 13 Jahren finanziell und persönlich fördert“, so Frederick Humcke aus dem Vereinsvorstand der TG Herford. „Ziel ist es, Engagement sichtbarer, attraktiver und zukunftsfähiger zu machen: durch Wertschätzung, Weiterbildung und echte Beteiligung.“ Mit seinem modularen Aufbau, den starken Partnernetzwerken und der Kombination aus sozialer Verantwortung, Förderung und Partizipation schafft das Engagement eine moderne Ehrenamtskultur mit Vorbildcharakter – in Herford und weit darüber hinaus. Das Projekt wurde über den gesamten Wettbewerbsverlauf von der Volksbank in Ostwestfalen begleitet.

Deutschland wählt Team D Fahnenträger*innen-Duo für Mailand Cortina

Der DOSB hat am Montag, 26. Januar, sechs Kandidat*innen - drei Frauen und drei Männer - für die Wahl zum Fahnenträger*innen-Duo bekanntgegeben.

Abgestimmt werden kann unter www.teamdeutschland.de.

Bekanntgegeben wird das gewählte Duo einen Tag vor der Eröffnungsfeier am Donnerstag, 5. Februar 2026, auf der Team D Pressekonferenz.

Der DOSB hat folgende sechs Mitglieder des Team Deutschland zur Wahl benannt (in alphabetischer Reihenfolge, getrennt nach Geschlecht):

Denise de Vries gewinnt den Publikumspreis der „Sterne des Sports“

Zum elften Mal haben der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Volksbanken und Raiffeisenbanken im Rahmen des Wettbewerbs „Sterne des Sports“ in Zusammenarbeit mit der ARD den Publikumspreis verliehen. Zur Abstimmung durch das Publikum des ARD-Morgenmagazins und die breite Öffentlichkeit standen drei Personen, die durch ihr besonderes persönliches Engagement für ihren Sportverein herausragten.

So kannst du die „Sterne des Sports“ live verfolgen

Das Bundesfinale der „Sterne des Sports“ wird live im Stream auf www.sportschau.de übertragen. Ab 10.25 Uhr können alle Interessierten die feierliche Verleihung der „Sterne des Sports“ in Gold direkt verfolgen.

Gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und den Volksbanken Raiffeisenbanken ehrt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim 22. Bundesfinale Sportvereine aus ganz Deutschland für ihr herausragendes gesellschaftliches Engagement. Insgesamt 17 Finalisten stehen im Mittelpunkt, die mit innovativen Ideen, besonderen Projekten und nachhaltiger Vereinsarbeit überzeugen konnten.

Die wichtigste Auszeichnung des Engagements im deutschen Sport überreichen Bundespräsident Steinmeier gemeinsam mit Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes, sowie Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR).

Die Preisverleihung findet in der DZ BANK am Pariser Platz in Berlin statt und ist bundesweit live über die ARD im Stream zu sehen.

ARD-Livestream

 

Sportstättenförderung überzeichnet - Bedarf übersteigt Mittel um Vielfaches

Das Antragsportal für das neue Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ ist seit dem 16. Januar 2026 geschlossen. Drei Monate hatten Kommunen aus ganz Deutschland Zeit, um ihre Anträge für Projekte einzureichen. 

Nun hat das zuständige Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) bekannt gegeben: Es gab über 3.600 Projektskizzen auf Förderung mit einer beantragten Gesamtfördersumme von mehr als 7,5 Milliarden Euro. Dem stehen aktuell 333 Millionen Euro an verfügbaren Bundesmitteln gegenüber. Damit ist das Programm in seiner ersten Phase rund 21-fach überzeichnet. 

Diese Zahlen verdeutlichen eindrücklich den massiven Sanierungs- und Modernisierungsbedarf an Sportstätten in Deutschland - und den hohen Unterstützungsbedarf von Kommunen und Sportvereinen, um den bestehenden Sanierungsstau abzubauen. 

Das Team D Mailand Cortina 2026 - Zahlen, Daten, Fakten

Team D Gesamtgröße

Das Team Deutschland für die Olympischen Winterspiele 2026 Mailand Cortina umfasst insgesamt 184 Athletinnen und Athleten. Ergänzt wird der Kader durch vier Ersatzathlet*innen. Somit ist es das größte Team Deutschland zu Olympischen Winterspielen, das es bisher gegeben hat. Der vorherige Rekord stammt von den Winterspielen Turin 2006 mit einer Mannschaftsgröße von 161 Athlet*innen.

Ein geschlechtergerechtes Team D Mailand Cortina 2026

Die Zusammensetzung des Teams ist nahezu geschlechtergerecht: 85 Athletinnen, entsprechend 46 Prozent, sowie 99 Athleten mit einem Anteil von 54 Prozent wurden nominiert. Zusätzlich stehen zwei Ersatzathletinnen und zwei Ersatzathleten zur Verfügung.

Erfahrung im Team D

Im Team D treffen zahlreiche Newcomer und olympische Erfahrung aufeinander. Insgesamt 73 Athlet*innen (40 Prozent), haben bereits an Olympischen Spielen teilgenommen. Demgegenüber stehen 111 Athlet*innen (60 Prozent), die in Mailand Cortina 2026 erstmals olympische Luft schnuppern. 

Medaillen im Gepäck des Team D

Zum Team Deutschland gehören 37 Medaillengewinner*innen, die in ihrer bisherigen Karriere gemeinsam 67 olympische Medaillen errungen haben. Mit 36 Gold-, 24 Silber- und sieben Bronzemedaillen im Gepäck reist das Team D nach Italien.

Die verschiedenen Sportarten des Team D

Team Deutschland ist bei den Olympischen Winterspielen 2026 in insgesamt 15 Sportarten vertreten. Das zahlenmäßig größte Aufgebot stellt das Eishockey mit 48 Athlet*innen. Es folgen die Snowboarder*innen mit 19 sowie der Bobsport mit 18 Athlet*innen. Die wenigsten Athlet*innen gehen mit jeweils drei in der Nordischen Kombination sowie im Skibergsteigen für Deutschland an den Start.

Team D Athlet*innen nach Bundesländern

Die Athlet*innen des Team Deutschland stammen aus Sportvereinen aus verschiedensten Bundesländern sowie aus dem internationalen Umfeld. Den größten Anteil stellt Bayern mit 80 Athlet*innen, gefolgt von Baden-Württemberg mit 24 und Thüringen mit 20. Aus den weiteren Bundesländern kommen insgesamt 43 Athlet*innen, darunter Sachsen mit 13, Berlin mit 11 und Nordrhein-Westfalen mit 9 Athlet*innen. Darüber hinaus sind 18 Athlet*innen internationalen Sportvereinen zugeordnet.

Erfolgreichste Team D Athlet*innen bei Olympischen Spielen

Zu den erfolgreichsten Athlet*innen im Team Deutschland Mailand Cortina 2026 zählen Tobias Arlt und Tobias Wendl, die im Rennrodeln gemeinsam sechs olympische Goldmedaillen gewonnen haben. Ebenfalls zu den herausragenden Medaillensammlern gehören Bobpilot Francesco Friedrich und Anschieber Thorsten Margis mit jeweils vier Goldmedaillen. Felix Loch, ebenfalls im Rennrodeln aktiv, bringt drei Goldmedaillen mit, während Skispringer Andreas Wellinger in seiner bisherigen olympischen Karriere zwei Gold- und zwei Silbermedaillen errungen hat.

Olympia-Rekordteilnehmer*innen des Team D

Gleich mehrere Athlet*innen des Team Deutschland blicken auf eine lange olympische Laufbahn zurück:

  • Felix Loch im Rennrodeln, Johannes Rydzek in der Nordischen Kombination sowie Patrick Beckert im Eisschnelllauf nehmen in Mailand Cortina 2026 bereits zum fünften Mal an Olympischen Spielen teil.
  • Ihre vierte olympische Teilnahme absolvieren in Italien insgesamt 9 Athlet*innen, darunter Francesco Friedrich und Thorsten Margis im Bobsport, Toni Eggert im Rennrodeln und Franziska Preuß im Biathlon.
  • Ihre dritten Olympischen Spiele bestreiten insgesamt 15 Athlet*innen, darunter Andreas Wellinger und Juliane Seyfarth im Skispringen, Vinzenz Geiger in der Nordischen Kombination, Lena Dürr im Ski Alpin und Ramona Hofmeister im Snowboard.

Die ältesten / jüngsten Team D Athlet*innen

Die Altersstruktur des Team Deutschlands reicht von jugendlichen Nachwuchstalenten bis zu sehr erfahrenen Routiniers. Jüngste Athletin ist die Eishockeyspielerin Mathilda Heine, die zum Start der Olympischen Spiele 16 Jahre alt ist. Der jüngste Athlet ist der Eisschnellläufer Finn Sonnekalb, der zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt ist. Als älteste Athletin geht die Skispringerin Juliane Seyfarth an den Start, die während der Spiele ihren 36. Geburtstag feiern darf. Der älteste Athlet im Team ist Eishockeyspieler Moritz Müller, mit 39 Jahren.

Stabil in Knie und Kopf: Muriel Mohr ist bereit für ihre Olympiapremiere

Als am Montagnachmittag in der Mixed Zone, in der die Medien die Athletinnen und Athleten des Team D zur Einkleidung und ihren Zielen für die Olympischen Winterspiele in Norditalien befragen, ein Dutzend Kameras und Mikrofone auf sie gerichtet sind, sagt Muriel Mohr einen Satz, der nachhallt. „Ich kann jetzt wieder alles, was ich können möchte.“ Eine Aussage ist das, die wohl jeder Mensch gern über sich treffen würde. Die 19-Jährige hat sie zwar darauf bezogen, dass sie nach ihrem bei der WM 2025 erlittenen Kreuzbandriss im linken Knie wieder vollkommen genesen ist. Aber die Art und Weise, wie Deutschlands Medaillenhoffnung im Ski Freestyle in der MTC World of Fashion in München das gesamte Frage-Antwort-Spiel meistert, lässt zumindest darauf schließen, dass es ihr an Selbstvertrauen nicht mangelt vor ihrer Olympiapremiere.

Dass sie diese als aktive Athletin erleben würde, war lange Zeit unsicher. Ein Kreuzbandschaden ist immer eine kapitale Verletzung; in einem Sport wie ihrem, in dem sie im Slopestyle durch einen Hindernisparcours manövriert, im Big Air komplexe Einzelsprünge absolviert und dabei stets festen Halt auf den Brettern suchen muss, ist das Knie aber extrem belastet. Dennoch war der Glaube daran, es nach Livigno, wo die Wettkämpfe im Ski Freestyle ausgetragen werden, schaffen zu können, immer da. „Olympia war immer das Ziel, der Ausblick darauf hat mir geholfen, stabil und motiviert zu bleiben. Außerdem hatte ich das beste Team, das mich immer wieder aufgebaut hat“, sagt die Studentin der Gesundheitswissenschaften, die sich im Sommer, als an Sport noch nicht zu denken war, kurioserweise für die Uni viel damit beschäftigte, wie Kreuzbänder zusammengeflickt werden.

Sportpsychologe half bei der Verarbeitung der Verletzung

Geholfen habe ihr zudem die Arbeit mit ihrem Sportpsychologen, der ihr mit dem Aufbau von Routinen, Visualisierungen und Anleitung zu positivem Denken wichtige Unterstützung leistete. „Mit ihm habe ich auch vor der nationalen Qualifikation telefoniert, er hat mir Mut zugesprochen und Vertrauen gegeben“, sagt die Athletin vom Kirchheimer SC, die am vergangenen Wochenende beim Weltcup in Laax (Schweiz) das Ticket für die Winterspiele perfekt machte. „Das war natürlich eine Erleichterung“, sagt Muriel, die auch mental keinerlei Überbleibsel der schweren Verletzung spürt. „Respekt ist immer da, das ist in einer Risikosportart wie unserer auch wichtig. Aber Angst, dass das Knie nicht hält, habe ich keine. Wir leben mit einem gewissen Verletzungsrisiko, aber ich habe die Challenge gut gemeistert und fühle mich bereit“, sagt sie.

Bereit, sich Herausforderungen zu stellen, ist Muriel Mohr tatsächlich schon seit Kindertagen. Schon als Zweijährige fuhr sie mit ihrem Vater im Tiefschnee Ski, „da bin ich über jeden Kicker hinter ihm hergefahren“, erinnert sie sich. Ihre aktive Sportkarriere startete die aus dem Münchner Osten stammende Allrounderin, die im Sommer gern Rennrad und Mountainbike fährt und kiten geht, allerdings im Ballett - einem Sport, der in puncto Körperbeherrschung und Ausdrucksstärke durchaus eine wichtige Grundlage für Freestyler*innen legt. Mit neun Jahren kam sie auf einer Jugendreise mit dem Freestyle in Kontakt, ein Jahr später entdeckte sie der heutige Bundestrainer Jiri Volak und formte sie zu einer der weltbesten Juniorinnen.

Zwei Schwestern, ein Ziel: Gemeinsam das Olympiafinale rocken

Bevor sie ihre Weltkarriere im Profiboxen starteten, mussten die ukrainischen Schwergewichts-Brüder Vitali und Wladimir Klitschko ihrer Mutter ein Versprechen geben: Niemals sollten sie gegeneinander in einem Wettbewerb antreten; das Mutterherz hätte es nicht verkraftet, die Söhne gegeneinander um Titel kämpfen zu sehen. Nun sind professioneller Faustkampf und hochleistungsorientiertes Snowboarden per se zwei durchaus unterschiedliche Sportarten. Aber als Kona und Leilani Ettel am Dienstagmittag zum Gespräch im Rahmen der Einkleidung für die Olympischen Winterspiele in ihrer Geburtsstadt München vor der Team D Alm sitzen, verfliegt auch der letzte Zweifel daran, ob es möglich sein kann, dass Geschwister miteinander in Harmonie um Gold, Silber, Bronze wetteifern können.

Am 11. Februar steht im Livigno Snow Park die Qualifikation für den Halfpipe-Wettkampf an, einen Tag später geht es um die Medaillen. Wenn alles so läuft, wie es sich der Dachverband Snowboard Germany und die Familie Ettel erhoffen, dann stehen sowohl die 18 Jahre alte Kona als auch ihre sechs Jahre ältere Schwester Leilani am 12. Februar im olympischen Finale. Und es gibt überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass dadurch der Familienfrieden gestört werden könnte. „Natürlich sind wir beide professionelle Athletinnen und wollen im Wettkampf ganz oben stehen, aber wenn Kona gewinnt, gewinnt auch ein Teil von mir“, sagt Leilani. Das klingt nach Liebe – und ist auch genauso gemeint. Wer die beiden Athletinnen vom SV Pullach im Gespräch dabei beobachtet, wie sie sich nach jeder Frage durch Blickkontakt vergewissern, wer zuerst sprechen soll, und wer hört, wie sie einander in jeder Antwort ergänzen und bestärken, der kann sich vorstellen, wie emotional dieser erste gemeinsame Olympiastart für die Familie werden wird.

Bundesfinale „Sterne des Sports“: Das solltet ihr wissen!

Die „Sterne des Sports“ sind die bedeutendste Auszeichnung im deutschen Vereinssport für gesellschaftliches Engagement. Gemeinsam vergeben der Deutsche Olympische Sportbund und die Volksbanken Raiffeisenbanken den Wettbewerb auf Bronze-, Silber- und Gold-Ebene. Beim Bundesfinale in Berlin werden die besten Vereins-Engagements Deutschlands ausgezeichnet und der „Große Stern des Sports“ in Gold verliehen.

Was ist das Bundesfinale der „Sterne des Sports“?

Das Bundesfinale bildet den Höhepunkt des Wettbewerbs „Sterne des Sports“. Hier werden die 17 Finalisten für ihr besonderes gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet und der „Große Stern des Sports“ in Gold vergeben.

Wer richtet das Bundesfinale aus?

Ausrichter sind der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Volksbanken Raiffeisenbanken, vertreten durch den Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, die den Wettbewerb seit vielen Jahren gemeinsam tragen.

Wann und wo findet die Preisverleihung statt?

Das Bundesfinale findet am Montag, 26. Januar (10:30 Uhr), in Berlin statt. Die feierliche Preisverleihung wird aus der DZ BANK am Pariser Platz übertragen. 

Wie kann ich das Bundesfinale live verfolgen?

Die Veranstaltung wird live im Stream auf sportschau.de ab 10.30 Uhr übertragen. Der Stream startet am Montagvormittag und ist für alle frei zugänglich. Moderiert wird die Veranstaltung von der deutschen Fernsehmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein und Denise Schindler.

ARD-Livestream

Wer zeichnet die Gewinnerinnen und Gewinner aus?

Die Auszeichnungen überreichen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit seiner Gattin Elke Büdenbender, Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sowie Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR).

Das Team Deutschland für die Olympischen Winterspiele 2026

Der DOSB hat insgesamt 188 Athlet*innen offiziell für das Team D nominiert.

DOSB-Präsident Thomas Weikert: „Wir freuen uns über ein großes und starkes Team Deutschland. Die Olympischen Winterspiele in Norditalien vor unserer Haustür versprechen ein echtes Wintersportfest zu werden. Die Gastgeber sind bereit, die besten Athlet*innen der Welt bei sich zu empfangen. Und unser Team D ist bereit, die deutschen Fans zu begeistern und für unvergessliche Momente zu sorgen. Ich wünsche allen Athlet*innen viel Erfolg und dass ihr olympischer Traum genau so in Erfüllung geht, wie sie sich das wünschen. Als DOSB werden wir alles dafür tun, um sie dabei zu unterstützen.“ 

Die stillen Helden der Einkleidung

Am 19. Januar 2006 liegt eine frische, sportliche Brise über dem Fliegerhorst der Bundeswehr in Erding. Der Militärflughafen im Raum München empfängt die deutsche Delegation für deren Einkleidung für die olympischen Spiele in Turin. Ludwig Zistl, Feldwebel am Standort Erding ist mittendrin. „Die Einkleidung war damals viel simpler, keine Medien, keine Werbepartner. Die Athlet*innen haben ihre Bekleidung bekommen und sind dann wieder gefahren“, erzählt der 69-Jährige. Zwanzig Jahre später, wieder sind es Olympische und Paralympische Winterspiele in Italien, wieder findet die Einkleidung in München statt und wieder ist Ludwig mit dabei. Diesmal mit seiner Frau Bärbel. 

„Der organisierte Sport kann als Motor für eine nachhaltige Entwicklung dienen“

DOSB: Herr Palm, der DOSB hat erstmals einen Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt. Welche Bedeutung hat dieser Schritt für den organisierten Sport insgesamt?

Christof Palm: Der erste Nachhaltigkeitsbericht des DOSB ist ein historischer und zugleich strategischer Meilenstein, der Nachhaltigkeit fest in den Werten des organisierten Sports verankert. Er schafft Transparenz über den Ist-Zustand, kann als Orientierungsinstrument für den gesamten organisierten Sport dienen und positioniert diesen mit seinen rund 86.000 Vereinen und Tausenden Verbänden als Motor für eine nachhaltige Entwicklung in der Zukunft. Er soll die Nachhaltigkeitsbemühungen über reine Umweltfragen hinaus auf soziale und ökonomische Dimensionen ausdehnen und signalisiert damit, dass Nachhaltigkeit keine optionale Kür, sondern eine Kernaufgabe mit gesellschaftspolitischer Verantwortung ist. 

Welche Signalwirkung geht von dem Bericht für Landesverbände und Vereine aus, die sich bereits mit Nachhaltigkeit beschäftigen – aber auch für jene, die noch am Anfang stehen?

Der DOSB nimmt mit dem Bericht eine Vorreiterrolle ein und setzt ein klares Zeichen, dass das Thema Nachhaltigkeit auf höchster Ebene des deutschen Sports nicht nur angekommen, sondern von höchster Bedeutung ist. Dies motiviert einerseits, übt vielleicht auch ein wenig Druck auf LSBs, Landes- und Spitzenverbände sowie Sportvereine aus, eigene Maßnahmen zu ergreifen. Der Bericht liefert fortgeschrittenen Organisationen Best-Practice-Beispiele und ermöglicht einen transparenten Vergleich und Wissensaustausch, etwa über den Hinweis auf das Webportal "Nachhaltige Sportveranstaltungen“. Für jene, die noch am Anfang stehen, bietet der Bericht eine klare Struktur und einen "roten Faden". Er demonstriert, dass Nachhaltigkeit bereits ganz nebenbei im Vereinsalltag geschieht, zum Beispiel im sozialen Bereich, bietet niedrigschwellige Einstiegspunkte und zeigt konkrete Handlungsfelder in den Bereichen Mobilität, Veranstaltungen oder Infrastruktur auf.

„Der Irrglaube, dass sich ein später Einstieg in Sport nicht lohnt, ist längst widerlegt“

Wenn am 6. Februar die Olympischen Winterspiele in Norditalien eröffnet werden, startet Bernd Wolfarth bereits in seine zwölften Spiele als Sportmediziner bei Olympia; zunächst zweimal für den Biathlon-Verband, 2008 in Peking als stellvertretender Chief Medical Officer und seit 2010 in Vancouver als Chefmediziner des Team D. Der 60-Jährige, der im Hauptberuf die Abteilung Sportmedizin der Charité in Berlin leitet, ist auf seinem Feld einer der anerkanntesten Experten. Für unsere Serie „20 Jahre DOSB“ spricht der gebürtige Freiburger über die Entwicklungen der vergangenen 20 Jahre im Bereich Gesunderhaltung durch Sport und gibt Tipps für den Einstieg ins Sporttreiben. 

DOSB: Bernd, du erlebst in Italien deine zwölften Olympischen Spiele, die neunten als Chief Medical Officer des DOSB. Verspürst du immer noch Vorfreude oder Aufregung, oder ist Olympia für dich Business as usual geworden?

Bernd Wolfarth: Auf keinen Fall, die Vorfreude ist immer noch groß, die Aufregung dagegen ein wenig geringer. Wenn man so oft in dieser Funktion verantwortlich war, kennt man die administrativen Abläufe und weiß, was einen erwartet. Das macht mich ein Stück weit gelassener. Die Vorfreude ist aber ungetrübt.

Was sind deine wichtigsten Aufgaben als leitender Olympiaarzt?

In erster Linie fungieren mein Team und ich als Ansprechpartner für das medizinische Personal der Fachverbände, die vor Ort sind. Meine Kollegin Katharina Blume und ich teilen uns die Zuständigkeiten für die sechs Cluster untereinander auf. Wenn es an einem Standort ein medizinisches Thema gibt, zum Beispiel, wenn Medikamente fehlen oder es einer Zweitmeinung zu einem medizinischen Problem bedarf, stehen wir zur Verfügung. Ich persönlich habe zudem einige medizinisch-administrative Aufgaben. Als Beispiele kann ich hier das Thema medizinische Ausnahmegenehmigungen oder den Austausch von Athletinnen und Athleten auf der Basis von medizinischen Gründen anführen. Hierfür ist die Kommunikation mit dem IOC oder den internationalen Fachverbänden beziehungsweise deren ärztlichen Kommissionen notwendig.

Unser Thema sollen heute nicht die Olympischen Spiele sein, sondern die Bedeutung von Sport in der Spitze und vor allem in der Breite für die Gesunderhaltung. Wie haben sich über die vergangenen 20 Jahre, die der DOSB existiert, die Bedarfe von Leistungssportler*innen in der Umsetzung von Gesundheitsthemen verändert?

Das ist ein sehr individueller Bereich, eine allgemeingültige Antwort kann ich hier nicht geben, da die Athletinnen und Athleten ganz unterschiedliche Zugänge zum Thema Gesundheit haben. Das ist von der jeweiligen Sportart ebenso abhängig wie von der persönlichen Geschichte. Was sich definitiv verändert hat, sind die Rahmenbedingungen, also die grundsätzliche Wahrnehmung des Themas Gesundheit und der Umgang damit. Dadurch dass sich jeder Mensch im Internet aus nahezu unerschöpflichen Quellen informieren kann, ist das Wissen in diesem Bereich deutlich gewachsen, aber auch die Unsicherheiten, weil viele nicht wissen, was sie mit all den Informationen anfangen sollen. Das ist eine Herausforderung für die Medizin, die viel Aufklärungsbedarf mit sich bringt.

Schauen wir auf den Breitensport. Wie unterscheidet sich die Herangehensweise an das Thema Gesunderhaltung im organisierten vom individuellen Freizeitsport?

Auch hier gibt es große individuelle Unterschiede. Es gibt Vereine, die sind in diesem Bereich so gut wie gar nicht aufgestellt. Aber in der Regel spielt der medizinische Aspekt von Sport im organisierten Bereich doch eine wichtige Rolle. Vereine und Verbände, die dem Leistungssport eine hohe Bedeutung zumessen, ermöglichen ihren Sportlerinnen und Sportlern oft umfangreichen Zugriff auf medizinische Versorgung. Im Breitensport spielt das Thema naturgemäß eine untergeordnete Rolle, da müssen sich Athletinnen und Athleten eher selbst um ihre Versorgung kümmern. Was wir zweifelsohne wahrnehmen, ist der Trend der Vereine, mehr Gesundheitsangebote zu machen, zum Beispiel Rehasport oder besondere Angebote für Kinder oder alte Menschen. Das sind Trends, die die Mitgliedergewinnung positiv beeinflussen. Zusammengefasst kann ich sagen, dass Gesunderhaltung und Therapie Felder sind, die eine höhere Bedeutung als früher haben, bei denen aber die intrinsische Motivation, sich darum zu bemühen, weiterhin eine wichtige Rolle spielt.

In welcher Form hat sich der Umgang mit dem Thema Gesunderhaltung durch Sport in der Gesellschaft in den vergangenen 20 Jahren verändert? Geht der Trend zum Körperkult einher mit einer erhöhten Bereitschaft, leistungsfördernde, aber gesundheitsgefährdende Substanzen zu konsumieren?

Für den Kraftsport lässt sich das anhand der wissenschaftlichen Datenlage schon konstatieren, da haben wir ein leistungsorientiertes Klientel, das sich nicht den im organisierten Sport vorhandenen Regelwerken unterwirft und eine deutlich niedrigere Hemmschwelle hat, sich solcher, in den Anti-Doping-Regeln des organisierten Sports verbotenen Substanzen zu bedienen. Im Allgemeinen sehe ich aber keine signifikante Zunahme auf diesem Gebiet. Was wir beobachten: Die Schere zwischen denen, die sich kaum oder gar nicht bewegen, und denen, die sehr umfänglich oder leistungsorientiert Sport treiben und dabei zu Extremen neigen, geht immer weiter auseinander. Das ist eine Herausforderung, der wir uns auch aus Sicht der Medizin stellen müssen.

Der perfekte Ort für den Abschied von Olympia

Der 16. Februar ist bei den Olympischen Winterspielen in Norditalien ein wettkampffreier Tag für die Langläuferinnen, für Katharina Hennig Dotzler aber wird es trotzdem ein besonderer Tag sein. An jenem Datum gewann die 29-Jährige vor vier Jahren in Peking die Goldmedaille im klassischen Teamsprint. Wohl jeder Wintersportfan erinnert sich an den Kommentar von SWR-Reporter Jens-Jörg Rieck, dem in dem Moment, in dem Schlussläuferin Victoria Carl als Erste die Ziellinie überquerte, die Stimme überschlug: „Ja, hast du denn die Pfanne heiß“, dieser Ausruf ist zum Klassiker geworden und bringt auch Katharina immer noch zum Schmunzeln. Seit jenem Triumph haben Victoria Carl und sie an jedem Jahrestag die Erinnerungen gemeinsam aufleben lassen. In diesem Jahr allerdings wird das anders sein.

Wegen eines Dopingvergehens ist die 30-Jährige vom SCM Zella-Mehlis suspendiert. Das endgültige Urteil steht aus, die Winterspiele verpasst sie aber auf jeden Fall, und um nicht noch tiefer in der sowieso schon klaffenden Wunde zu bohren, wird Katharina während ihres Aufenthalts in Val di Fiemme keinen Kontakt mit ihrer Goldpartnerin aufnehmen. „Es ist für sie eine sehr harte Zeit, ich wünsche ihr viel Kraft und die richtigen Leute um sich herum. Besonders am 16. Februar werde ich sehr an sie denken“, sagt die Athletin vom WSC Erzgebirge Oberwiesenthal am Donnerstagmittag bei der Team D Einkleidung in der MTC World of Fashion in München. Trotz der Atemschutzmaske, die sie trägt, um drei Wochen vor dem Olympiastart keine Erkrankung mehr zu riskieren, ist ihr die Betroffenheit aus dem Gesicht zu lesen.

2022 hat sie gelernt, was ein freier Kopf bedeutet

Die Erinnerungen an den Tag ihres größten sportlichen Erfolgs vermag die Tragik um ihre Teamkollegin indes nicht zu trüben. Wobei die Goldmedaille in der Rückschau nicht ihr emotionalstes Olympiaerlebnis darstellt. Vier Tage zuvor hatte sie mit der 4x5-km-Staffel Silber gewonnen. „Es war nach vielen vergebenen Anläufen, in denen wir manchmal ganz knapp verpasst hatten, aufs Podest zu kommen, endlich die erhoffte Medaille bei einem Großereignis, deshalb waren die Gefühle dabei noch intensiver als beim Olympiasieg“, sagt sie. Als Schlussläuferin Sofie Krehl (30/SC Oberstdorf) ihre gut zwei Sekunden Vorsprung auf Schwedens Jonna Sundling ins Ziel gerettet hatte, sei eine solche Last abgefallen, „dass ich mich wie befreit gefühlt habe. In den Teamsprint bin ich deshalb so gelöst wie nie in ein olympisches Rennen gegangen. Ich hatte eine Medaille sicher, die konnte mir niemand mehr nehmen. An dem Tag habe ich gelernt, was es bedeutet, wenn der Kopf wirklich frei ist. Wir hatten einfach nur Spaß“, sagt sie.

Dieses Gefühl zu konservieren und in folgende Rennen hinüberzuretten, habe sie zwar versucht, gelungen sei es ihr nicht. „Jede Athletin, jeder Athlet kennt das: Manchmal hat man einen Lauf, dann entwickelt sich ein Selbstverständnis, das einen in einen Flow versetzt. Das funktioniert zumindest bei mir aber nur über Erfolge und die daraus resultierende Sicherheit. Umgekehrt ist es aber so, dass negative Erfahrungen auch dazu führen können, dass gar nichts mehr läuft. Wenn Scheiße, dann Scheiße mit Schwung“, sagt sie. Und Schwung dieser Art hat Katharina, die seit der Hochzeit mit ihrem langjährigen Partner Christian Dotzler an Ostern 2025 ihren Doppelnamen trägt, in den vergangenen zwei Jahren einigen mitgenommen. Zuletzt zog sie sich über den Jahreswechsel aus der Tour de Ski zurück, weil sie sich nicht zu 100 Prozent wettkampfbereit fühlte und mit Blick auf die Olympischen Spiele nichts riskieren wollte.

„Am Ende fragt niemand, wie viele Interviews du gegeben hast“

Doch, ein kleiner Showman sei er schon, sagt Finn Sonnekalb, als er am Freitagnachmittag im Rahmen der Team D Einkleidung in der MTC World of Fashion in München gefragt wird, wie das denn so sei mit der vielen Aufmerksamkeit, die ihm gerade zuteilwird. Den Zusatz „klein“ kann man allein deshalb schon streichen, weil Deutschlands neue Eisschnelllauf-Hoffnung mit 1,93 Metern Körperlänge nicht nur optisch fast alle überragt. Wer ihn beobachtet, wie er wippenden Schritts und in Adiletten in Begleitung mehrerer Teamkollegen seinen Einkaufswagen über die Eventfläche schiebt, an jedem Stand aufs Neue selig wie ein Kind am Heiligen Abend die nächsten Kleidungsstücke anprobiert und dabei alle, die um ihn herumstehen, in Gespräche verwickelt, kann erahnen, wieviel Showtalent in diesem 18-Jährigen steckt, der im Februar in Mailand seine Premiere bei Olympischen Winterspielen erleben wird.

Patrick Beckert dagegen absolviert seine Einkleidung zwar ebenfalls seinem Charakter entsprechend, aber im größtmöglichen Kontrast. Nur in Begleitung seiner Ehefrau Lara Eileen, die er im vergangenen Sommer in London ebenso still geheiratet hat, packt der 35-Jährige die gut 60 Teile umfassende Kollektion in die zwei dafür bereitgestellten Taschen. Die Routine eines Athleten, der zum fünften Mal am größten sportlichen Wettkampf teilnehmen wird, ist ihm aus fast jeder Bewegung, jeder Geste abzulesen. Und trotzdem spürt man, was es ihm bedeutet, ein weiteres Mal - und, da ist er entschieden, das letzte Mal - Teil von Team Deutschland zu sein.

Patrick Beckert gab mit 19 sein Olympiadebüt

Finn Sonnekalb, der auf sehr sympathische Art die Unbekümmertheit eines 18-Jährigen in all seine Aussagen einfließen lässt, zum Schweigen zu bringen, scheint ungefähr so erfolgversprechend, wie Donald Trump die Egozentrik auszutreiben. Aber im Gespräch, zu dem die Team D Medienabteilung ihn und Patrick Beckert gebeten hat, gibt es dann doch einige Momente, in denen der Shootingstar der Eisschnelllaufszene fast andächtig lauscht. 2010, als er in Vancouver sein Debüt unter den fünf Ringen gab, war Patrick 19 Jahre alt und ein ebenso idealistischer Youngster wie Finn. Auf die Frage, was er aus seiner Erfahrung von damals dem nur halb so alten Teamkollegen rate, sagt er: „Ich würde empfehlen, dass er es einfach genießt, denn man weiß nie, ob es noch ein nächstes Mal gibt. Er soll die beste Leistung abrufen, die in ihm steckt, aber sich nicht von den Erwartungen von außen ablenken lassen.“

Das allerdings ist möglicherweise leichter gesagt als getan. Die Bronzemedaille, die Jens Boden 2002 in Salt Lake City gewann, ist das bislang letzte olympische Edelmetall, das ein deutscher Eisschnellläufer holte. Die Sehnsucht nach einem Nachfolger ist riesig, entsprechend groß ist die Hoffnung, seit Finn Sonnekalb beim Weltcup-Auftakt in Salt Lake City (USA) Mitte November über die 1.500 Meter als Dritter nicht nur den ersten deutschen Podiumsplatz auf dieser Strecke seit 24 Jahren sicherte, sondern mit seinen 1:41,33 Minuten auch den bisherigen deutschen Rekord von Hendrik Dombek (1:43,73) pulverisierte und einen neuen Junioren-Weltrekord aufstellte. Auch über die 1.000 Meter schaffte er in 1:06,48 Minuten einen neuen deutschen Rekord und damit die doppelte Olympianorm.

DOSB veröffentlicht ersten Sustainability-Report

Mit der Veröffentlichung seines ersten Nachhaltigkeitsberichts setzt der DOSB ein deutliches Zeichen für verantwortungsvolles Handeln im organisierten Sport. Der 1. DOSB Sustainability Report 2024/2025 dokumentiert erstmals systematisch, wie Nachhaltigkeit in sozialen, ökologischen und ökonomischen Dimensionen im DOSB verankert ist. 

Der Bericht ist Teil der 2024 überarbeiteten Nachhaltigkeitsstrategie des DOSB und orientiert sich an den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Ziel ist es, das eigene Handeln transparent darzustellen, Fortschritte sichtbar zu machen und den nachhaltigen Wandel im Sport aktiv zu gestalten.
 

Deutschland im Handballfieber mit Julian Köster

Nach dem historischen Erfolg der deutschen Frauen bei der Handball-Weltmeisterschaft, bei dem die Silbermedaille für enorme Aufmerksamkeit sorgte, richtet sich der Blick nun auf die Handball-Europameisterschaft der Männer, die am 15. Januar 2026 beginnt.

Julian Köster, Rückraumspieler beim VfL Gummersbach und wichtiger Akteur im deutschen Team, gibt im Gespräch spannende Einblicke in die Vorbereitung auf das Turnier und erklärt, warum Handball weit mehr ist als nur ein schneller Mannschaftssport. Wir sprechen über den aktuellen Hype der Sportart, seine persönlichen Anfänge und Rituale sowie darüber, warum es sich lohnt, Handball nicht nur zu verfolgen, sondern auch selbst im lokalen Sportverein aktiv zu werden. Zudem berichtet Köster von seinem Engagement bei Special Olympics Deutschland und seinem Wunsch, mehr Sichtbarkeit und (Sport-)angebote für Menschen mit Behinderungen zu schaffen.

Die größte Umkleidekabine Deutschlands

Zwei Wochen, ein klares Ziel und jede Menge Team-Spirit: Mit der offiziellen Einkleidung startet Team Deutschland in die heiße Phase auf dem Weg zu den Olympischen und Paralympischen Winterspielen Mailand Cortina 2026. Vom 7. bis 20. Januar 2026 wird das MTC world of fashion in München zum Treffpunkt für Athlet*innen, Trainer*innen und Betreuer*innen und zur wohl größten Umkleidekabine des deutschen Sports. 

Die Team D Einkleidung: Zahlen, die beeindrucken

  • Über 400 Athlet*innen sowie Trainer*innen und Betreuer*innen werden eingekleidet
  • 7 olympische Spitzenverbände plus der Deutsche Behindertensportverband (DBS) sind vertreten
  • Fast 70 Teile umfasst die offizielle Team-D-Kollektion von Ausrüster adidas
  • 3.500 Quadratmeter Eventfläche auf zwei Ebenen
  • 2 bis 3 Stunden dauert der komplette Einkleidungs-Durchgang pro Person
  • Rund 80 Volunteers sorgen für einen reibungslosen Ablauf
  • Rund 70 akkreditierte Journalist*innen berichten von der Einkleidung

Von Jacke bis Schuh: Die Einkleidung im Detail

Herzstück der Einkleidung ist die strukturierte Ausgabe der offiziellen adidas Kollektion. An mehreren Ausgabestationen erhalten Athlet*innen, Trainer*innen und Betreuer*innen ihre komplette Ausstattung für alle Einsatzbereiche der Olympischen und Paralympischen Spiele. Dazu zählen Village-Outfits für den Alltag im Olympischen Dorf, Opening-Outfits für die Eröffnungsfeier sowie die Podium-Bekleidung für den großen Moment der Siegerehrung. Ergänzt wird die Ausstattung durch verschiedene Jacken, Oberteile und Hosen in Damen- und Herrenschnitten, Schuhe, Accessoires sowie Taschen. Das zentrale „Key Piece“ der Kollektion bildet dabei das visuelle Highlight des Team-D-Looks für Mailand Cortina 2026.

Alle Stationen sind in einem klaren Ablauf organisiert, sodass jede Person ihre individuelle Ausstattung effizient anprobieren und zusammenstellen kann. Der komplette Durchgang dauert rund zwei bis drei Stunden. Ergänzt wird die Einkleidung durch Portrait- und Kampagnenshootings, Content-Stationen sowie eine Mixed-Zone für Mediengespräche. Aber auch zu den Themen Olympiabewerbung, Anti Doping und mentale Stärke können sich die Athlet*innen informieren. 

Der DOSB - wie funktioniert der eigentlich?

Welches Selbstverständnis wir, der Deutsche Olympische Sportbund, haben, ist auf unserer Homepage zu lesen: „Wir sind die Stimme des Sports in Deutschland. Wir engagieren uns für den Vereinssport und für alle, die unsere Liebe zum Sport teilen. Wir stehen für die Olympische Idee und sind Teil der Olympischen und Paralympischen Bewegung“, steht dort geschrieben. Als Dachverband des organisierten Sports in Deutschland sind wir für 103 Mitgliedsorganisationen, für 29,3 Millionen Mitgliedschaften in rund 86.000 Vereinen verantwortlich. Aber wie funktioniert der DOSB? Welche Gremien und welche Fachressorts gibt es, und wie hängen die einen mit den anderen zusammen? Anlässlich unseres 20-jährigen Bestehens, das wir am 20. Mai feiern, haben wir im Rahmen unserer Serie „20 Jahre DOSB“ Daniel Marchi gebeten, Aufklärung zu leisten. Der 33-Jährige ist Referent des Vorstandsvorsitzenden und als Projektleiter Mitgliederversammlung ein profunder Kenner der DOSB-Strukturen.

Die beiden Kernaufgaben des DOSB, dessen Rechtsform der eingetragene Verein ist, sieht der frühere Mittelstreckenläufer im Interessenausgleich nach innen und der Interessenvertretung nach außen. „Unser Auftrag besteht darin, eine gemeinsame Stimme des Sports zu schaffen. Dafür müssen wir die verschiedenen Strömungen im organisierten Sport bündeln und unsere Anliegen geschlossen in der Öffentlichkeit vertreten. Hierfür braucht es klare Botschaften, Empathie und Führungsverantwortung“, sagt er. Die Governance des DOSB ist demokratisch aufgebaut und beruht auf drei zentralen Organen: der Mitgliederversammlung, dem ehrenamtlichen Präsidium und dem hauptamtlichen Vorstand. Kurz gesagt legt die Mitgliederversammlung den normativen Rahmen fest, das Präsidium entwickelt hieraus strategische Leitlinien und der Vorstand setzt diese operativ um. Die dahinter liegenden Prozesse sind in der Satzung geregelt und legen fest, wie Entscheidungen getroffen, Verantwortlichkeiten verteilt und Risiken überwacht werden.

Die Souveräne des DOSB sind unsere Mitglieder

Die Souveräne des DOSB sind die Mitglieder, die auf der einmal jährlich stattfindenden Mitgliederversammlung (traditionell am ersten Samstag im Dezember) über alle wegweisenden Themen abstimmen - zuletzt über die DOSB-Ziele 2035 und den Entscheidungsweg zur Auswahl des nationalen Kandidaten für unsere Olympiabewerbung. Die 103 Mitgliedsorganisationen unterteilen sich in sogenannte „Verbändesäulen“ - Spitzenverbände mit 42 olympischen und 28 nichtolympischen Fachverbänden, Landessportbünde (16) und Verbände mit besonderen Aufgaben (17). Delegierte dieser Organisationen üben im „Parlament des deutschen Sports“ ihre Stimmrechte aus und sichern so die Partizipation der einzelnen Anspruchsgruppen. Während der Deutsche Fußball-Bund als mitgliederstärkster Verband im DOSB insgesamt 18 Stimmen dank acht Millionen eigener Mitgliedschaften auf sich vereint, hat das jüngste DOSB-Mitglied, der Deutsche Fallschirmsport Verband, mit gut 11.000 Mitgliedschaften eine Stimme.

Ebenfalls stimmberechtigt sind die Persönlichen Mitglieder; eine Gruppe aus bis zu 15 Personen (aktuell zwölf) aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen, die mit ihrer Expertise und Sichtbarkeit als Multiplikator*innen für DOSB-Themen wirken. Hierzu zählen u.a. die Olympiasieger*innen Kristina Vogel und Moritz Fürste, Monoski-Legende Anna Schaffelhuber, Yusra Mardini aus dem ersten olympischen Flüchtlingsteam und die „Wirtschaftsweise“ Prof. Dr. Veronika Grimm. Gemeinsam mit dem Präsidium werden sie für eine vierjährige Legislatur gewählt, das nächste Mal wieder im Dezember dieses Jahres.

Seit der DOSB im Mai 2006 aus der Fusion von Deutschem Sportbund (DSB) und Nationalem Olympischen Komitee (NOK) hervorgegangen ist, arbeitet das Präsidium komplett ehrenamtlich. Dies wird sich vom kommenden Jahr an ändern, nachdem die Mitgliederversammlung im Dezember 2025 dafür stimmte, den Präsidenten mit einem Monatssalär von 2.000 Euro und die Vizepräsident*innen mit je 1.000 Euro zu entschädigen. Erster Präsident war Thomas Bach, der im September 2013 an die Spitze des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wechselte und sein Amt deshalb niederlegte. Kommissarisch übernahm Hans-Peter Krämer, bis im Dezember 2013 Alfons Hörmann zum Nachfolger gewählt wurde. Seit Dezember 2021 amtiert unser aktueller Präsident Thomas Weikert, der hauptberuflich als Fachanwalt für Familienrecht in Limburg arbeitet.

Jede Stimme zählt: Anpfiff für den Publikumspreis bei den „Sternen des Sports“

In wenigen Wochen wird in Deutschland wieder über Gold gejubelt. Denn am 26. Januar verleihen der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Volksbanken Raiffeisenbanken in Berlin zum 22. Mal die „Sterne des Sports“ in Gold für besonderes gesellschaftliches Engagement von Sportvereinen sowie für kreative Sportvereinsentwicklung. Auch in diesem Jahr wird darüber hinaus am Vorabend ein Publikumspreis für herausragenden persönlichen Einsatz im Sportverein vergeben.

Den Publikumspreis bei den „Sternen des Sports“ loben der DOSB sowie die Volksbanken Raiffeisenbanken in Kooperation mit der ARD bereits zum elften Mal aus. Dafür wurden aus den 17 Finalistenvereinen drei Personen von einer Expertenjury nominiert. Wer von ihnen den Publikumspreis 2025 gewinnt, entscheidet nun die Öffentlichkeit. Zur Wahl stehen:

· Denise de Vries vom VfL Rastede e.V. (Niedersachsen, Region Weser-Ems)

· Omar Fahmy vom FuNah e.V. (Niedersachsen)

· Paul Werdin von der DLRG Weimar e.V. (Thüringen)

Die drei Nominierten werden nacheinander vom 13. bis 15. Januar im ARD-Morgenmagazin vorgestellt, am 16. Januar folgt eine Zusammenfassung der Kurzporträts. Die Filme stehen zudem auf sportschau.de und sterne-des-sports.de zur Verfügung. Alle Interessierten können ab dem 13. Januar (6.00 Uhr) abstimmen - ganz einfach und jederzeit auf www.sterne-des-sports.de/abstimmung-publikumspreis

Die Wahl läuft bis Freitag, 23. Januar 2026, um 12.00 Uhr. Die Person, die bis dahin die meisten Stimmen erhalten hat, gewinnt den Publikumspreis bei den „Sternen des Sports“ 2025. Je nach Platzierung dürfen sich die Nominierten über eine Prämie in Höhe von 2.000 Euro (1. Platz), 1.000 Euro (2. Platz) und 500 Euro (3. Platz) freuen. Die Ehrung wird am 25. Januar in der DZ BANK in Berlin stattfinden und das Ergebnis der Abstimmung tags darauf im Rahmen des Bundesfinales offiziell bekannt gegeben.

Jetzt abstimmen: „World Games Athlete of the Year“

Bei der 12. Ausgabe der World Games im vergangenen Jahr im chinesischen Chengdu vom 7. bis 17. August 2025 belegte das Team Deutschland Platz zwei in der Nationenwertung hinter dem Gastgeberland.

Für die Wahl zur*zum Athlet*in des Jahres wurden mit Nina Holt und dem Tanzpaar Marius Andrei Balan and Khrystyna Moshenska auch deutsche Athlet*innen nominiert, die bei den Spielen erfolgreich waren.

Rettungsschwimmerin Nina Holt ist mit fünf Goldmedaillen und drei Weltrekorden die erfolgreichste deutsche Athletin bei den Spielen der nicht-olympischen Sportarten. Sie ist sogar nach zwei Teilnahmen (2022 und 2025) die zweitbeste Athletin in der Geschichte der World Games. Die Sportsoldatin vom SC Magdeburg war außerdem gemeinsam mit Flossenschwimmer Max Poschart Fahnenträgerin des Team Deutschland bei der Eröffnungsfeier in Chengdu. Zu ihrer Nominierung sagt sie: „Ich freue mich sehr, unter den Nominierten zu sein. Es ist eine große Anerkennung für meine Ergebnisse bei den World Games in Chengdu.“

Marius Balan und Khrystyna Moshenska vom TSC Rot-Gold-Casino Nürnberg tanzten im Latein-Finale der World Games zur Goldmedaille. Mit herausragenden 39,25 Punkten ließen sie die Konkurrenz aus Frankreich (38.58) und China (37.33) hinter sich. Das Paar tanzt seit 2014 erfolgreich zusammen und war bereits viermal Weltmeister sowie dreimal Europameister im Lateintanzen.

Insgesamt sind 30 Athlet*innen für den Titel „World Games Athlete Of The Year“ nominiert. Die erste Abstimmungsrunde läuft bis zum 26. Januar. In der zweiten Runde werden dann die besten zehn Nominierten noch einmal gegeneinander antreten. Diese Runde endet am 2. Februar.

Zur Abstimmung

Es wird jeweils für zwei Kandidat*innen abgestimmt. Wobei die erste Wahl zwei Stimmen, die zweite Wahl eine Stimme erhält.

Weitere Informationen

„Die Strahlkraft von Olympia ist größer als alles andere“

Eine Fleischwunde am linken Fuß, die Normalsterbliche wahrscheinlich wochenlang vom Sporttreiben abhalten würde, ist aktuell seine größte Sorge. „Der Fuß ist offen, ich muss schauen, dass wir das in den Griff bekommen“, sagt Christopher Grotheer am Samstagnachmittag, nachdem er in der MTC World of Fashion in München seine Bekleidung für die Olympischen Winterspiele in Norditalien (6. bis 22. Februar) in Empfang genommen hat. Deswegen auf den Heimweltcup in Altenberg in der kommenden Woche zu verzichten, käme dem 33-Jährigen allerdings nicht in den Sinn. Im Gegenteil, er freut sich sehr auf den letzten Formtest vor dem Saisonhöhepunkt, und angesichts der Probleme, die er zu Beginn des Weltcup-Winters mit sich herumschleppte, ist der malade Fuß kaum mehr als eine Randnotiz für ihn.

Christopher Grotheer wird nachgesagt, dass er kein Mann vieler Worte sei. Doch wer ihm zuhört, wenn er über die vergangenen Monate spricht, spürt deutlich, wie intensiv diese Phase für ihn gewesen sein muss. Als Skeleton-Olympiasieger von Peking 2022 hatte sich der gebürtige Wernigeroder, der mittlerweile in Thüringen lebt und für den BSR Rennsteig Oberhof startet, für seine dritten Spiele vorgenommen, im Eiskanal von Cortina erneut den Medaillenkampf zu prägen. Nach einer gelungenen Vorbereitung war er beim ersten Lehrgang auf Eis beim Anschieben auf den Griff seines Schlittens gestürzt und hatte sich eine Adduktorenquetschung mit Einblutung zugezogen. Kaum wieder fit, erlitt er Mitte November, eine Woche vor dem Weltcupstart in Cortina, einen Muskelfaserriss in der Wade.

Mehrere Verletzungen warfen ihn zum Saisonstart zurück

„Ich konnte kaum anschieben, fahrerisch hat es mir den Stecker gezogen“, sagt er im Rückblick. Trotz seiner langjährigen Erfahrung kamen Gedanken auf, die ihn beunruhigten. „Ich hatte ständig im Hinterkopf: Wenn du dich jetzt noch einmal verletzt, war es das mit Olympia. Das hat mich schon runtergezogen. Ich habe bis Mitte Dezember ständig in mich hineingehorcht und versucht, bloß keine falschen Bewegungen zu machen“, sagt er. Da Unsicherheit im Rennsport allerdings kontraproduktiv ist, kehrte Christopher Grotheer am Wochenende vor Weihnachten in Sigulda (Lettland) in den Weltcup zurück - und tankte mit einem fünften Platz viel Selbstvertrauen. „Da habe ich gespürt: Wenn ich selbst unter solch widrigen Bedingungen mithalten kann, dann muss mir nicht bange sein“, sagt er.

Die Feiertage nutzte das Kraftpaket für intensives Aufbautraining, seitdem zeigt die Leistungskurve in die Richtung, die er sich erhofft hatte. Und auch die negativen Gedanken sind, nachdem es in dieser Woche in St. Moritz (Schweiz) zu EM-Bronze reichte, längst wieder positiver Überzeugung gewichen. Der siebenmalige Weltmeister zieht einen Vergleich zur vergangenen Saison, mit dem er sich für Olympia zusätzlich Mut macht. „2024/25 habe ich die ersten vier Weltcuprennen gewonnen, bei der WM war dann aber die Luft raus. Dieses Mal mache ich es umgekehrt und habe meinen Formhöhepunkt in Cortina“, sagt er.

Was ein Olympiasieg auslöst, kann Christopher Grotheer seit seiner Triumphfahrt von Peking persönlich einschätzen. „Die Goldmedaille war ein deutlicher Boost, sowohl für meine Bekanntheit als auch im Sponsoring. Mit einem WM-Titel ist das nicht zu vergleichen, die Strahlkraft ist viel größer als alles andere“, sagt er. Überhaupt war das Jahr 2022 sein Jahr, er heiratete seine Partnerin Mary-Ann, ein halbes Jahr nach Olympiagold kam Tochter Elsa zur Welt. Dass die Dreijährige nun in Italien dabei sein wird, wenn der Papa erneut auf Goldsuche geht, erfüllt ihn mit großer Vorfreude. „Meine ersten Spiele 2018 in Pyeongchang waren beeindruckend, aber sportlich enttäuschend. Peking war sportlich super, aber wegen Corona von der Atmosphäre her enttäuschend, es war wie ein Job, den man erledigt hat. Nun freue ich mich riesig, Olympische Spiele quasi vor der Haustür erleben zu können“, sagt er.

Jenny und Benny - ein ganz besonderes Eistanzpaar

Als er am Donnerstagmittag die Einkleidung für die Olympischen Spiele in Norditalien absolviert hatte und mit zwei prall gefüllten Koffern im Mixed-Zone-Bereich der MTC World of Fashion in München saß, hatte Benjamin Steffan ein kleines Problem. „Mir gefällt die Kleidung am besten, die man auf dem Podium tragen soll“, sagte der 29 Jahre alte Eistänzer. Seit seine Disziplin 1976 in Innsbruck ins olympische Winterprogramm aufgenommen wurde, hat noch kein deutsches Eistanzpaar eine Medaille gewinnen können. Insofern scheint die Wahrscheinlichkeit nicht hoch zu sein, dass der Athlet vom EC Oberstdorf seine Lieblingsstücke aus der adidas-Kollektion offiziell wird tragen können. Aber wer ihn am Donnerstag mit seiner Partnerin Jennifer Janse van Rensburg erlebte, wird nicht daran zweifeln, dass das Duo zumindest alles dafür geben wird, die Eiskunstlauf-Welt aus den Angeln zu heben.

Seit zehn Jahren starten Jenny und Benny, wie die beiden gern genannt werden dürfen, als Paar. Der Durchbruch in die Weltklasse gelang ihnen mit Rang 16 bei der WM in Boston (USA) im März 2025, mit dem sie Deutschland einen Quotenplatz für die Winterspiele sicherten. „Das war aus meiner Sicht der Startschuss für unsere erste Olympia-Kampagne“, sagt Benny, „für mich war von da an klar, dass wir uns auf die Spiele vorbereiten können.“ Jenny dagegen empfand die Einkleidung als „den Tag der Tage, ich konnte vor Aufregung gar nicht schlafen und fühle mich jetzt offiziell als Teil der Olympiamannschaft!“ Die endgültige Nominierung des Team D erfolgt zwar erst am 20. Januar durch den DOSB, aber spätestens seit sie im Dezember ihren fünften deutschen Meistertitel in Serie gewannen, steht für das Duo fest, dass der Traum von der Teilnahme an Olympischen Spielen Wirklichkeit wird. „Fünf Meistertitel, jeder für einen der olympischen Ringe, das ist unser Motto für die DM gewesen. Dass es jetzt klappt, ist einfach unglaublich“, sagt Jenny.

Die Geschichte, wie die beiden zu ihrem Sport und zueinanderfanden, ist kurios. Jenny betrieb als gebürtige Oberstdorferin auch leistungsmäßig alpinen Skisport, sah aber als Sechsjährige Eiskunstlauf im Fernsehen. „Das wollte ich auch, und als ich mich irgendwann entscheiden musste, bin ich beim Eiskunstlauf geblieben.“ Zunächst startete sie für den EC Oberstdorf im Einzel, wechselte aber, weil die ständigen Sprünge ein Patellaspitzen-Syndrom verursacht hatten, als 20-Jährige zum Eistanzen. „War aber nicht schlimm, weil ich schon immer eher eine ausdrucksstarke Läuferin als eine Springerin war“, sagt sie. Benny dagegen war zunächst in Chemnitz Eishockeyspieler, wurde aber, weil er regelmäßig seiner jüngeren Schwester bei deren Eislauftraining zuschaute, von der bekannten Chemnitzer Paarlauftrainerin Monika Scheibe bearbeitet, es doch auf dem Eis auch mal ohne Helm und Schläger zu probieren. „Irgendwann hatte sie mich weichgeklopft, als Zehnjähriger bin ich zum Eistanz gewechselt“, sagt er.